Chronik

Chronik der Karnevalsgesellschaft Humoristika gegr. 1928 e. V.

von unserem Ehrenrat Michael Obert

klein_IMG_4162Mitte der „goldenen“ 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts fanden sich einige 14 – 15-jährige Jungen, die in Karlsruher Hinterhöfen für Kameraden Theater spielten. Mit der Zeit bildete sich so etwas wie ein „fester Kern“ heran; einem von ihnen, Otto Kuhn, kam eines Tages der Gedanke, einen Verein zu gründen. So fanden sich am 2. Dezember 1928 im inzwischen längst verschwundenen Hotel „Stuttgarter Hof“ in der Adlerstraße Ecke Kriegsstraße einige dieser Jungen nebst zwei Mädchen ein, um ihren Verein, den sie „Gesellschaft Humoristika“ nannten, aus der Taufe zu heben.

Es waren: Otto Kuhn, Erich Maisch, Alfred Traut, René Eberle, W. Lehmann, Erwin Bleibel, Anna Nagel, Therese Leptig, E. Vogt und Hugo Kuhn sen., der Vater unseres Gründers. Bis Ende des Jahres kamen noch hinzu: Karl Dennig, Marino Ammazzini, Otto Munk, A. Munk sen., Hugo Kuhn jun., Wilhelm Messner, Franz Vogl, Alfred Maisch, Christian Laux, Fritz Behr und Fritz Kienz. Erster Vorstand wurde Otto Kuhn, dem mit W. Lehmann ein „geschäftsführender Vorstand“ beigestellt werden musste, da dieser volljährig war. Anfänglich verlegte man die Aktivitäten des jungen Vereins aufs Theater spielen, wobei die Jungen beachtliche schauspielerische Begabungen an den Tag legten.

Die erste öffentliche Veranstaltung fand am 26. Mai 1929 um 20.00 Uhr im Saal des Hotels „Stuttgarter Hof“ statt. In der Fastnachtszeit zogen kleine Trupps, eingeteilt und instruiert von Otto Kuhn, durch die Lokale der Kaiserstraße, um bei Kappenabenden ihre Vorträge zum Besten zu geben. Am 15. Februar 1930 fand im „Saalbau“ in der Oststadt die erste große Fastnachtsveranstaltung unter dem Motto „Ein Abend im Reiche Karneval“ statt.

In den folgenden Jahren schloss sich ein bunter Reigen von Veranstaltungen aller Art an – darunter die Mitwirkung bei der „Altstadtgemeinde“ sowie der Gesellschaften „Fidele Geister“ und „Alt-Karlsruh“ – , ehe dann am 4. Dezember 1938 mit einem Bunten Abend aus Anlass des 10-jährigen Bestehens der Gesellschaft im „Friedrichshof“ die für eine lange und unselige Zeit letzte Veranstaltung über die Bühne ging…

 

Viele treue Mitglieder, deren wir ehrend gedenken, konnten nach 1945 nicht mehr dabei sein, als es galt, die Gesellschaft im alten Humoristikaner-Geist neu aufzubauen. Wann hätte das Humoristikaner-Motto mehr Gültigkeit gehabt als in jenen Jahren: „Wohl dem, der’s Beste nie verlor, im Kampf des Lebens, den Humor!“?

Bevor die Humoristika im Jahre 1946 ihre Tätigkeit wieder aufnehmen konnte, musste zunächst die Genehmigung der Militärregierung eingeholt werden; dies gelang, so dass bereits 1946 und 1947 im Saal der Firma „Haid & Neu“ zwei bunte Abende stattfinden konnten. Beim zweiten Abend konnte auch Otto Kuhn, aus französischer Gefangenschaft heimgekehrt, wieder in mitten seiner Humoristika begrüßt werden. In den ersten Nachkriegsjahren stand der Gesellschaft Gustav Meppiel vor, ehe Otto Kuhn von 1948 – 1962 mit einer kurzen Unterbrechung das Präsidentenamt inne hatte; von 1955 – 1957 übte Karl Dennig das Amt des Präsidenten kommissarisch aus.

In den folgenden Jahren fand eine Fülle von Veranstaltungen – auch außerhalb Karlsruhes – statt: Bunte Abende, Kabaretts, Aufführungen von Schwänken, auch ein „Eustachius-Dindemüller- Abend“ unter Mitwirkung des bekannten Karlsruher Mundartdichters, ehe sich dann im Jahre 1957 ein bedeutender Einschnitt in der Vereinsgeschichte vollzog. Die „Gesellschaft Humoristika“ bildete einen ständigen Elferrat und wurde zur „reinen“ Karnevalsgesellschaft, was auch in der Umbenennung in „Karnevalsgesellschaft Humoristika“ zum Ausdruck kam. Maßgeblichen Anteil daran, wie auch am späteren Erfolg, hatte neben Otto Kuhn und Karl Dennig vor allem Alfred Thiemt.

 

Am 10. November 1957 fand unter Anwesenheit des FKF-Präsidenten Heinz Wallerstein und zahlreicher befreundeter Vereine (besonders stark vertreten waren Strabaka und KGO) im „Elefanten“ eine Veranstaltung statt, mit der sich der neue Elferrat erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. Dieser Konstituierung folgte am 17. Februar 1958 im Zieglersaal die erste „Große Damen- und Fremdensitzung“ der KG Humoristika, der bis einschließlich heute 75 weitere folgten…

1962 gab Otto Kuhn sein Präsidentenamt an Bruno Schwaak ab; eine neue, erfolgreiche Ära sollte beginnen. Manch Altes und Veraltetes wurde verändert und Bruno Schwaak verstand es, junge, tatkräftige Mitglieder hinzuzugewinnen, so dass die KG Humoristika steten Aufstieg nahm. Seit 1972, als man das 44-jährige Bestehen begehen konnte, finden alljährlich zwei Damen- und Fremdensitzungen im Bonifatiussaal statt; in jenem Bonifatiussaal übrigens, in dem die Humoristika das erste Mal am 23. November 1947 auftrat und in dem seit 1963 unsere Sitzungen stets über die Bühne gegangen sind. Unser besonderer Dank gilt daher auch der Bonifatius-Pfarrei und ihren Pfarrern, Herrn Geistl. Rat Zolg (†) und Herrn Pfarrer Krug, Herrn Dr. Gamber sowie dem Ehepaar Bücherl.

 

1973 gab sich die Gesellschaft eine neue Satzung und wurde 1975 ins Vereinsregister eingetragen. Im März 1977 gab Bruno Schwaak nach 15- jähriger erfolgreicher Amtszeit das Präsidentenamt an Rainer Obert ab, der die Humoristika weiter führen sollte. Er besann sich auf alte Traditionen und so nahm die Humoristika wieder jährlich mit Motivwagen am Fastnachtsumzug in Durlach und Karlsruhe teil. Unter seiner Führung veranstaltete die Humoristika erstmals zum 50-jährigen Bestehen ein Jubiläumsmatineé, dessen Tradition sich in Jubiläumsjahren bis heute hält, ebenso die Herausgabe einer Festschrift.

Im April 2007 gab Rainer Obert nach 30-jähriger erfolgreicher Amtszeit das Präsidentenamt an Markus Künstler weiter, der die Führung der Gesellschaft im Jubiläumsjahr 2008 übernahm.

So ist die Geschichte unserer Gesellschaft die Geschichte einer bewegten Zeit, den Älteren wertvolle Erinnerung, uns Jüngeren Verpflichtung. Die Humoristika-Familie blickt ohne Sorgen in die Zukunft, hat sie doch allein in den vergangenen Jahren starken und tatkräftigen Zuwachs bekommen. So wird der Bestand unserer Humoristika mit ihren derzeit 100 Mitgliedern gesichert sein und sie wird sich auch ihren Stil erhalten, den die BNN am 23. Januar 1967 so ausdrückte: „Nicht die Menge, sondern die Qualität, nicht die große Show, sondern die individuelle humoristische Einzelleistung prägen die Humoristika mit ihrem intimen Charakter in der Art einer großen humoristischen Familie.“…